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Rückschläge, Wiederholungen, Relikte

» Das Bewusstsein einer großen Regression oder eines drohenden Zusammenbruchs – das Gefühl, dass es außerhalb des Kapitalismus nichts zu erwarten gibt als Katastrophen und mafiösen Feudalismus – begünstigt die autoritären Projekte, die allerorten erstarken. «
Santiago Alba Rico

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Schwer zu sagen, ob zum Beispiel der heilige Benedikt von Nursia, der 529 in Monte Cassino den nach ihm benannten Mönchsorden gründete, auf seiner Flucht durch die Ruinen des Römischen Reichs bewusst den »Zusammenbruch einer Zivilisation« erlebte oder ob er – was wahrscheinlicher ist – das Chaos als eine Art Nachspielzeit betrachtete, das die endgültige Wiederkunft Christi ankündigte und zugleich hinauszögerte. Gewiss ist hingegen, dass das Christentum die Zeit – anders als das von Zirkularität und ewiger Wiederkehr ausgehende Denken der Griechen oder die Gnostiker mit ihrer Vorstellung der Vertikalität – entwirrte und streckte, um sie in eine kontinuierliche Linie zu verwandeln. Dieses Verständnis von einer Linie oder einem Zeitstrahl trug, nachdem es nicht mehr im Zusammenhang der religiösen Erlösung gesehen, sondern in die Gesellschaft hineingetragen worden war, auf unterschiedlichen Wegen zu den aufgeklärten und kapitalistischen Konzepten von Geschichte bei. Für die Christen stellte die Geschichte einen steten Rückschritt dar; für das Denken der Moderne nach der Französischen Revolution und der industriellen Revolution war sie von kontinuierlichem Fortschritt gekennzeichnet. Für die einen wie die anderen lief sie auf jeden Fall unablässig – hangabwärts oder hangaufwärts – auf ihre Vollendung zu. Seit Hegel diese Idee 1807 systematisierte,1 haben die Menschen im Westen jede Krise und jeden Krieg als einen notwendigen Schritt hin zu einer besseren Zukunft erlebt. Dass die Jahreszahlen ab dem Jahr null unserer Zeitrechnung immer größer werden, wird spontan als Zugewinn betrachtet, als unwiderrufliches Anwachsen unseres Bankguthabens. Wir können uns nicht vorstellen, dass 2017 weniger und nicht mehr als 2016 sein könnte. Seit zwei Millennien sparen wir – während wir uns gleichzeitig verschulden, aufopfern und scheitern – Zeit an, um sie am Ende gegen eine Tafel Schokolade oder ein Mobiltelefon einzutauschen.

Die von Marx und den Marxisten geteilte Vorstellung von der Geschichte als Fortschritt wurde nur von einigen Schwarzsehern infrage gestellt: gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Hermann Lotze2 sowie vor und nach dem Zweiten Weltkrieg von Autoren wie Walter Benjamin3 und Louis Althusser.4 Ihre Beschäftigung mit Ruinen und Niederlagen – für die es im Gegenzug weder Erlösung noch Entschädigung gab – schien dem Alltagsverstand zu widersprechen, der in Ketten gelegt worden war durch die Beschleunigung des Konsums, die zweite industrielle Revolution nach 1945 sowie durch den Zusammenbruch der UdSSR 1989, der eine utopische Schwelle hin zu einer endgültigen, außerhalb der Geschichte liegenden Fusion von Frieden und Demokratie markieren sollte. So global und umfassend der Höhenflug dieser Illusion war, so brutal war ihr Absturz im letzten Jahrzehnt. Die Krise von 2008, die Wende vom Technikoptimismus zur Hightech-Furcht, die Abkehr vom Wohlfahrtsstaat sowie von den sozialen und Bürgerrechten und die Rückkehr des Krieges (einschließlich der damit verbundenen Massenvertreibungen und terroristischen Metastasen) haben auch die Wahrnehmung der Zeit verändert: Sie scheint nun stillzustehen in ihrem Flussbett, geronnen, in Einzelteile zerlegt. Die Vorstellung von einem um sich greifenden »Zusammenbruch der Zivilisation« und von einer Regression, wie der Titel dieses Buches lautet, hat sich durchgesetzt. Die christlich-aufklärerische Linearität ist erneut von der griechischen Vorstellung eines ewigen Kreislaufs oder der abrupten Vertikalität der Gnostiker abgelöst worden, wie sie der Historiker Henri-Charles Puech in seiner bekannten Studie En quête de la gnose von 1978 beschrieben hat.5 Anders als in der Vorstellung eines mehr oder weniger stabil oder in Zickzack-Bahnen verlaufenden Fortschritts kehrt die Geschichte jetzt in die limes des Römischen Reichs oder in die Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts zurück: Sie gerät durcheinander, verläuft in Schleifen und stürzt – sich überschlagend – in die verhängnisvollste Vergangenheit zurück. Anders als im »Wandel«, der einen kumulativen Übergang von der Quantität zur Qualität darstellt (man denke nur an historische Revolutionen), treten die Transformationen jetzt plötzlich ein, fulminant, aus dem Nichts, ohne Vorbereitung und Vorläufer: Das »Ereignis« Alain Badious als kontrahistorische Kontingenz ist das Gegenstück zum terroristischen Attentat, das sich an jedem Ort und zu jeder Zeit ereignen kann. Die Geschichte der Menschheit wird, wie in der Paläontologie Georges Cuviers, als zufällige Abfolge von Katastrophen erlebt. Der Kapitalismus, das gleichermaßen zerstörerischste und optimistischste aller Systeme, ist auf einmal grimmig und pessimistisch geworden. Entgegen den liberalen Prognosen von 1989 hat die Zeit der Dritten Welt – um es einmal so auszudrücken – nun auch die kapitalistischen Zentren erobert. Heute ist alles Peripherie. Und deshalb haben es alle so eilig, Grenzen zu ziehen und diese zu befestigen.

 

Countdown und Neuanfang von allem

2017 ist wahrscheinlich eine niedrigere Zahl als 2016 oder sogar 2011. Und selbstverständlich auch niedriger als 1945. Das 20. Jahrhundert endete 2016 mit dem Tod Fidel Castros, eines politischen Führers, der das kleine Kuba in das unbequeme Zentrum des Kalten Krieges verwandelte und dessen nicht zu leugnendes Geschick alle geopolitischen Laster und Tugenden der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in sich vereinte. Mit Castros Tod jedoch beginnt das blutigste Jahrhundert in der Geschichte der Menschheit in gewisser Hinsicht von Neuem. Das 20. Jahrhundert beginnt erneut und wie alles beginnt es am Anfang. Es ist wahr, dass nur das Meer immer zu sich selbst zurückkehrt; alles andere fließt, bricht sich Bahn, stürzt hinweg, tritt über die Ufer, vermischt sich, staut sich auf. Nichts wiederholt sich, nicht einmal als Farce oder Tragödie. Alles kehrt in das neue Bewusstsein geschichtsloser Körper zurück. Wenn wir heute, wie ich meine, das 20. Jahrhundert erneut in Angriff nehmen, dann ist es notwendig, Parallelen und Unterschiede zu benennen.

Wir beginnen das 20. Jahrhundert neu, weil in den beiden letzten Jahrzehnten die politischen, rechtlichen und moralischen Grundlagen zerstört wurden, auf denen die – ihrerseits nicht sonderlich gerechte – Nachkriegsordnung nach 1945 beruhte: Erst verflüchtigte sich das Gleichgewicht zwischen den Lagern des Kalten Krieges, dann die US-Hegemonie als vermeintliche Garantin einer triumphal verkündeten und niemals Wirklichkeit gewordenen Stabilität. Die Zertrümmerung dieser beiden Säulen – der Zusammenbruch der UdSSR 1989 und die Niederlage der USA 2003 – hat zu einer Situation geführt, die die französische Zeitschrift Esprit 2014 als »neue Weltunordnung« bezeichnet hat:6 eine zugleich zentrums- und alternativlose Ordnung, in welcher der Abstieg der USA dem Aufflammen neoimperialistischer Mächte den Weg bereitet, die für perspektivlose Allianzen in alle Richtungen offen sind und nun um die von Washington in den letzten zwölf Jahren aufgegebenen Territorien und (was noch wichtiger ist) symbolischen Vakuen konkurrieren. Der Krieg in Syrien manifestiert und zementiert diese neue »Unordnung«, mit der gewissermaßen die innerimperialistischen Machtkämpfe von 1914 zurückkehren – allerdings ohne die Möglichkeit, bei dieser Gelegenheit Kolonien unter sich aufzuteilen, da viele der Ex-Kolonien Europas sich heute selbst an den Kämpfen beteiligen.

Wir können die Lage so beschreiben: Das Ende des Kalten Krieges, das die USA ohne Rivalen zurückließ und es der EU erlaubte, jenes wohlfahrtsstaatliche Modell widerstandslos zu beseitigen, das man den Europäern im Kampf gegen die UdSSR zugebilligt hatte, brachte unabhängig von den Regierungen und klassischen Linken diffuse und die Gesellschaft transversal erfassende Demokratisierungsforderungen hervor. In der zerfallenen Ex-UdSSR etwa hat der verständliche Antikommunismus in der Gesellschaft zu einer Reihe von Protesten geführt, die mit einer gewissen Geringschätzung als »farbige Revolutionen« (Ukraine, Georgien, Jugoslawien, Kirgistan) bezeichnet worden sind und die sofort von den USA und ihren Verbündeten kooptiert wurden. Doch die Abwesenheit der UdSSR ermöglichte ab 1994 auch eine Entwicklung, die als »fortschrittlicher Zyklus« in Lateinamerika beschrieben worden ist und die gleichermaßen einen Bruch mit dem Erbe des Sozialismus des 20. Jahrhunderts als auch mit dem neokolonialen Einfluss Washingtons auf dem Kontinent darstellte. Dieses mit einem demokratischen Impuls einhergehende »Abschmelzen des Kalten Krieges« entfaltete 2011 ein letztes Mal seine Wirkung, als sich die Völker der »arabischen Welt« gegen die Diktaturen in Nordafrika und im Nahen Osten, die letzten Überlebenden der alten bipolaren Ordnung, erhoben.7 Der sogenannte Arabische Frühling – in Wirklichkeit war er nicht nur arabisch, und er dauerte mehrere Jahreszeiten an – setzte eine »globale demokratische Revolution« in Gang, die mit der 15-M-Bewegung eines ihrer Zentren in Spanien hatte, die aber auch andere südeuropäische Länder sowie die Türkei und die USA erfasste.

Dies ist nicht der Ort, die Gründe seines Scheiterns zu erörtern, aber es steht außer Frage, dass der demokratische Impuls heute, sechs Jahre später, in sein Gegenteil umgeschlagen ist. Die Bedeutung des Krieges in Syrien ist mindestens aus drei Gründen enorm: erstens weil er Russland die Rückkehr auf die internationale Bühne ermöglicht hat, zweitens weil er der grausame Ausdruck eines zweiten Ersten Weltkrieges ist, der nun zwischen Mächten ausgetragen wird, die sich von Washingtons Vormacht emanzipiert haben, und drittens weil das Überdauern der Familiendiktatur der Assads – nachdem diese das Relikt einer moribunden Vergangenheit zu sein schien – nicht nur die regionalen Autokratien reanimiert hat, sondern, vermittelt über Dschihadismus und Fluchtbewegungen, der Reaktion in Europa im Namen der Terrorbekämpfung und der individuellen Sicherheit Vorschub geleistet hat. Tatsächlich ist, sechs Jahre nach dem ermutigenden Aufbruch, die Hoffnung auf eine allgemeine Demokratisierung jenseits der Ideologien in einen innerimperialistischen Krieg umgeschlagen, der von einer globalen Entdemokratisierung begleitet wird. Der Abstieg der USA hat nicht zu mehr sozialer Gerechtigkeit und zu einer Stärkung von Rechten und Freiheiten, sondern zu einer Rückkehr des »imperialen Zeitalters« geführt, wie es der Historiker Eric Hobsbawm in seinem berühmten Buch einst genannt hat.8 Der Streit zwischen den – ähnlich wie 1914 – entideologisierten Staaten geht mit der Entfaltung eines »globalen Weimar« einher, das dem der zwanziger und dreißiger Jahre ähnelt: Parallel zur Rückkehr identitärer Bindungen und Konflikte verschärft sich in der ganzen Welt der Ansehensverlust der Demokratie. Der Wahlsieg von Trump in den USA ist Ausdruck einer Entwicklung, die nun die Spitze der nach wie vor führenden Weltmacht erreicht hat, aber letztlich allerorten zu beobachten ist: der Autoritarismus Putins, die Rückkehr der Diktaturen der »arabischen Welt«, die Politik Erdoğans nach dem gescheiterten Putsch vom August 2016, das Ende des »progressiven Zyklus« in Lateinamerika, der Brexit, das Erstarken rechtspopulistischer und neofaschistischer Parteien in Europa. Wenn wir außerdem die ökonomischen und arbeitsrechtlichen Transformationen, die Folge und Ursache der Krise waren, sowie die Rückkehr präfordistischer Ausbeutungsformen berücksichtigen, die auf dem Überschusscharakter eines Großteils der Weltbevölkerung beruhen, gibt es viele Gründe, anzunehmen, dass 2017 näher am Jahr 1917 oder 1930 liegt als am Jahr 2018.

 

Was vom 20. Jahrhundert bleibt

Aber so wie man nicht einfach zu alten Idealzuständen zurückkehren kann – zur Glückseligkeit der Evangelisten oder den ersten muslimischen Kalifaten –, so ist auch das neue Übel nicht das alte. Selbst wenn es stimmt, dass die beiden Stützpfeiler verschwunden sind, auf denen die Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde (weshalb wir in gewisser Hinsicht zum Ersten zurückkehren), ist das 20. Jahrhundert doch nicht folgenlos geblieben. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat zu einer grotesken Neuauflage der Jahre 1914 und 1930 mit ihren innerimperialistischen Konflikten, ihrem globalen Weimar und ihrer Müllökonomie doch einige Elemente hinzugefügt und wiederum andere entfernt.

Was ist hinzugekommen? Vier Elemente.

Das erste ist die Globalisierung, die bedeutender und mehr ist als nur eine Erweiterung der Weltwirtschaft, wie sie ab 1870 zu beobachten war. Der Zweite Weltkrieg stellte einen Einschnitt dar, den wir übersehen und über dessen Charakter wir uns täuschen, den wir aber nicht vergessen können. Ich meine die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, die eine Negativmatrix des »Artenbewusstseins« hervorbrachten, wie es vor der ersten Atombombenexplosion nicht existiert hatte. Heute gibt es nur noch eine einzige Menschheit, weil die Menschheit zum ersten Mal in der Geschichte auf einen Schlag und vollständig ausgelöscht werden kann, so als wäre sie wirklich ein Individuum und ein Subjekt. Dass wir dieses Bewusstsein unterdrücken, erleichtert uns das Leben im Alltag, macht es aber auch gefährlicher. Bekanntermaßen verurteilte das in ebenjenem August 1945 eingerichtete Nürnberger Kriegsverbrechertribunal die Errichtung von Konzentrationslagern, aber nicht die Bombardements aus der Luft, die sich seitdem, um es in den Worten des Staatsrechtlers Danilo Zolo auszudrücken,9 in »Gewohnheitsrecht« verwandelt haben. Es handelt sich um ein LuftRecht, das das terrestrische Strafrecht mit seiner Unschuldsvermutung und seinen Verfahrensgarantien außer Kraft setzt und das sich mithilfe der Drohnen sogar von einer physischen Verantwortung emanzipiert hat. In einer Welt der »globalen Unordnung«, in der gemeinsam mit dem innerimperialistischen Krieg und dem Rechtspopulismus auch die horizontale Vernichtungspraxis zurückgekehrt ist (denken wir nur an die Gefängnisse Assads oder die von Duterte angeordneten standrechtlichen Erschießungen auf den Philippinen), ist die negative Globalisierung der Menschheit durch eine völlige Zerstörung aus der Luft – gezielt oder unbeabsichtigt – jederzeit möglich. Diejenigen, die in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges starben, konnten wenigstens noch an die Überlebenden denken. Der Zweite Weltkrieg hat uns die Möglichkeit eines Kriegsendes ohne Überlebende beschert.

Die zweite, hiermit zusammenhängende Entwicklung hat mit der konsumistischen Bilderwelt (imaginario) zu tun, die ab 1950 in den USA entstand und von dort in Wellenbewegungen auf die ganze Welt ausstrahlte. Wenn ich von einer »Bilderwelt« spreche, dann tue ich dies, um ihre Konsequenzen vom realen, materiellen Zugang zu billigen Waren und zu Einkaufsparadiesen zu unterscheiden. Die Weltbürger sind selbst in der tiefsten Krise und in ihren untersten Schichten Konsumenten: Diejenigen, die nicht konsumieren können, sind – so nennt es Zygmunt Bauman – »gescheiterte Konsumenten«, und zwar in dem Sinn, dass sich globalisierte Subjekte nach der Demontage der fordistischen Produktion (hinsichtlich Selbstwertgefühl und Klassenposition) über die Konsumsphäre und nicht über die Arbeit definieren. Dies auch deshalb, weil der hyperindustrielle Kapitalismus dazu übergegangen ist, die Freizeit stärker auszubeuten als die Arbeitszeit, was – in den Worten Bernard Stieglers10 – zu einer »Proletarisierung der Muße« und dem Verlust der damit zusammenhängenden Traditionen, kollektiven Erinnerungen und lebensweltlichen Vielfalt geführt hat. Diese »Proletarisierung der Muße« ist untrennbar mit der ökologischen Zerstörung verbunden, auf die der berühmte Bericht des Club of Rome bereits 1972 hinwies. Zwei Jahrhunderte intensiver Kapitalismus und drei Jahrzehnte Turbokonsum lassen unseren Nachkommen wenig Spielraum für kulturellen Widerstand und die Verteilung von Ressourcen. Jeder, der die Statistiken über das Abschmelzen des Polareises 2016 betrachtet, wird mit Schrecken erkennen, was die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu diesem neuen 1917 oder neuen 1930, in dem wir uns befinden, »hinzugefügt« hat: die größtmögliche Unsicherheit, nämlich jene, die die vier Grundelemente und ihren für das Überleben der Menschheit notwendigen Erneuerungskreislauf betrifft.

Die dritte Entwicklung, die ihrerseits nicht von der konsumistischen Bilderwelt und der Proletarisierung der Muße zu trennen ist, wird von den neuen Technologien getragen, deren gesellschaftsfeindliche Dimension der Philosoph César Rendueles mit großem Scharfsinn in seinem Buch Soziophobie dargelegt hat.11 Die sogenannten sozialen Netzwerke haben die Verbindungen zwischen den Menschen revolutioniert und die »Realität« und das »Leben« von den Körpern weg verlagert: hin zu einem Raum, der nicht zwischen innen und außen, zwischen privat und öffentlich, zwischen vorher und nachher unterscheiden kann und der daher dichte Erinnerungen und starke soziale Bindungen fragil oder ganz unmöglich macht. In den sozialen Netzwerken steht im Vordergrund, was sich bei den Körpern im Hintergrund befindet: der Trieb und der Einfall – der ganze Inhalt des »Geistes« – als unablässige Aktualisierung eines, wie Massimo Recalcati sagen würde, »Menschen ohne Unbewusstes«.12 Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat uns diesen »Menschen ohne Unbewusstes« hinterlassen, der aus denselben Gründen niemals »Faschist« wird, aus denen er auch nicht »Moralkantianer« werden wird. Dieser Mensch verleiht der Rückkehr zur Zwischenkriegszeit und zur globalen Entdemokratisierung neue Farben und Schattierungen.

Das vierte Element schließlich ist die Globalisierung des Terrorismus, der als homöopathische und dezentralisierte Radikalisierung des Zweiten Weltkrieges mit seinen überwiegend zivilen Opfern verstanden werden kann. Es ist nicht so, dass es zum Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht auch Terrorismus gegeben hätte, aber der Terrorismus von heute konstituiert sozusagen das Innere der gesellschaftlichen Ordnung. Er ist, wenn man so will, Teil ihres Gewebes und verfestigt sich im Herzen unseres Strafrechts und Sittenkodexes als eine Funktion ökonomischer und moralischer Reproduktion. Nach dem 11. September 2001 und der Invasion im Irak und mehr noch im Zusammenhang jener globalen Entdemokratisierung, auf die ich mich oben bezogen habe, leben unsere politischen Regime in gewisser Weise in einer symbiotischen Beziehung mit dem Terror. Der in den intimsten Fugen unseres Lebens schlafende und unvorhersehbare Terror erzeugt Treue zu jener postdemokratischen Ordnung, die mit der Terrorbekämpfung in einem Kreislauf rückgekoppelt ist und die das aufgeklärte Recht und eine am Gemeinwohl orientierte Ethik vernichtet. Der Terrorismus »verkörperlicht« die Gefahr in einer Welt abstrakten Reichtums und ist daher weder von den Grenzen, der Rassifizierung und den identitären Kontraktionen noch von den Ausnahmegesetzen zu trennen, die den Verlust an Rechten naturalisieren. Was die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts der Menschheit mit auf den Weg gegeben und unserer Epoche hinterlassen hat, ist eine Ent-Universalisierung der Gesellschaftsverträge und der kollektiven Schutzmaßnahmen.

 

Die fehlende Alternative

Von diesen vier Entwicklungen, die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Countdown – von 2017 auf 1917 oder 1930 – »hinzugefügt« haben, lässt sich leicht ableiten, was verglichen mit dem frühen 20. Jahrhundert heute fehlt. Wir sind Zeitzeugen neuer innerimperialistischer Kriege, eines globalen Weimar und einer allgemeinen Entdemokratisierung. Wir erleben die Produktion eines »inneren Feindes«, die in Europa über die Islamophobie (und nicht mehr über den Antisemitismus) erfolgt. Wir sehen, wie sich eine gesellschaftliche Mehrheit herausbildet, die auf der Grundlage fremdenfeindlicher und rechtspopulistischer Selektionskriterien eine Hierarchisierung der Bevölkerungsteile vornimmt. Wir erleben Spielarten des Neofaschismus, der einem Teil der Bevölkerung die sozialen und Bürgerrechte abspricht. »Franzosen – oder Engländer oder Spanier – zuerst.«

Was fehlt nun bei dieser Wiederholung? Zunächst einmal fehlt die Polarisierung oder – was dasselbe ist – die Alternative. Das 20. Jahrhundert hat die Möglichkeit des Kommunismus (und den Wunsch nach ihm) eliminiert, der einst Millionen Menschen mobilisierte und der ihnen Regierungserfahrungen ermöglichte, deren bloße Existenz, trotz des Legitimationsdefizits der kommunistischen Regierungen gegenüber der eigenen Bevölkerung, das kapitalistische System und dessen Politik infrage stellte. Anders als 1917 gibt es heute keine in den Kinderschuhen steckende Revolution; anders als 1930 gibt es keine organisierte Linke, die – unabhängig von ihrer konkreten Rolle in den Konflikten – als Gegenpol zur unerwartet finsteren Perspektive des neoliberalen Kapitalismus fungieren und diesen bremsen könnte. Von innen und außen besiegt, steht der Kommunismus für die Verteidigung von Bürgerrechten und Demokratie und für den Aufbau einer fortschrittlichen und republikanischen Gesellschaftsmehrheit nicht mehr zur Verfügung. Und was wiederum die Sozialdemokratie betrifft, hat deren enthusiastische Bereitschaft, die schmutzige Arbeit für die europäischen Banken, den IWF und die Brüsseler Austeritätspolitik zu erledigen, sie als realistische Option eliminiert. Ihr Kollaps bei den Wahlen in ganz Europa spiegelt den Rechtsruck in den Gesellschaften wider und verstärkt diesen. Das Gegensatzpaar Linke/Rechte ist nicht zugunsten einer globalisierten und transversalen sozialen Demokratie verschwunden, sondern hat zu einem beispiellosen Sieg der Rechten geführt, die sich nun des gesamten politischen Raums bemächtigt hat. Jene Linke, die das »kleine konservative Volk« verachtet, wie es bei dem politischen Philosophen Jean-Claude Michéa heißt,13 hat dieser Entwicklung das Terrain bereitet.

In diesem postrevolutionären Europa mit seinen gescheiterten Konsumenten und seiner im »Es« der sozialen Netzwerke gefangenen proletarisierten Muße wird die Alternative zu den vom Neoliberalismus angerichteten Verheerungen nicht etwa von irgendeiner »Linken« repräsentiert: Nein, die Alternative ist eher das, was der Schriftsteller und Aktivist Amador Fernández Savater sehr treffend als »Anti-Eliten-Elite« oder »antioligarchische Oligarchie« bezeichnet hat. Das Phänomen Trump und dessen überraschender Wahlsieg sind das offensichtlichste Beispiel. Den sozialen Diskurs der Linken haben sich Multimillionäre, Unternehmer und Investoren angeeignet, die vom Kapitalismus (dessen Exzesse sie anklagen) profitieren und die den Neo-Machismus, den rassistischen Populismus und die identitäre Hierarchisierung der Bürger propagieren. Wenn es eine Polarisierung gibt, dann stehen sich in ihr nicht mehr wie in den dreißiger Jahren die Linke und der Faschismus gegenüber, sondern ein sehr konservativer und eindeutig »nationalistischer« Rechtspopulismus und eine liberale kapitalistische Klasse, die diesen mit jeder neuen Maßnahme weiter stärkt. Daneben haben wir die andere, die »kulturelle« Polarisierung, bei der sich zwei »Faschismen« gegenüberstehen (um einen Begriff zu missbrauchen, der im strikten Sinne nicht in unsere Zeit übertragbar ist): der laizistische und der religiöse Faschismus, die sich gegenseitig verstärken und deren Konfrontation den Spielraum für solche Positionen verringert, die keiner dieser beiden Projekte, sprich der Demokratie und den Menschenrechten, verbunden sind. Wenn bei Wahlen nur noch neoliberale Rechte und extreme Rechte gegeneinander antreten (Clinton/Trump, Fillon/Le Pen wäre eine ähnliche Konstellation gewesen), reduziert sich die Lebensalternative auf beklemmende Weise auf die Wahl zwischen »dem Eigenen« und »dem Anderen«.

 

Der Fall Spanien

Dieses extrem schnelle und im freudianischen Sinne »unheimliche« Umschlagen der 2011 geweckten Hoffnungen besitzt allerdings eine fragile und doch bemerkenswerte Ausnahme im Süden Europas: Ich meine die drei Länder Griechenland, Portugal und Spanien, die bis in die siebziger Jahre von Diktaturen beherrscht wurden, sich als letzte und mit der größten Begeisterung der EU anschlossen und die sich sowohl den Konsumismus als auch die Austeritätspolitik (die im Widerspruch zum Konsum stand oder diesen zumindest erodieren ließ) am konsequentesten zu eigen machten.

Der Fall Spanien ist besonders spannend. Warum ist das noch 1975 katholischste Land der Welt heute das am wenigsten homophobe? Warum ist ausgerechnet das Land, das sein nach wie vor gescheitertes »Nationalprojekt« auf der Exklusion des Anderen begründete, heute das am wenigsten rassistische und islamophobe? Wieso ist ein, wie der Schriftsteller und Journalist Sergio del Molino in Erinnerung gerufen hat, vor achtzig Jahren brutal durch einen Bürgerkrieg polarisiertes Land heute das toleranteste und am wenigsten gewalttätige? Und warum ist Spanien in gewisser Hinsicht das einzige Land, in dem weder der soziale Rechtspopulismus noch der kulturelle Faschismus auf dem Vormarsch sind oder zumindest viel langsamer als anderswo?

Ich würde behaupten, dass dies, ähnlich wie in Griechenland und Portugal, mit einem Mangel oder Fehler zu tun hat: mit der völligen Auslöschung der historischen Erinnerung. Bei dem Versuch, die kulturellen Folgen des Franquismus zu erklären, habe ich einmal auf den (1406 verstorbenen) tunesischen Historiker Ibn Chaldūn verwiesen, der in seinem Buch Muqaddima fragt, warum »Gott die Hebräer vierzig Jahre lang durch die Wüste irren ließ«. Vier Jahrzehnte, die Lebensdauer einer ganzen Generation, so lautet seine Antwort, waren notwendig, um die »Erinnerung an die Sklaverei« auszulöschen. Im Fall Francos waren vierzig Jahre notwendig, um umgekehrt die Erinnerung an die Freiheit auszuradieren. Spanien trat in die EU ein und stürzte sich fast ohne jede Erinnerung in den Konsumrausch. Heute, vier Jahrzehnte nach dem Tod des Diktators, ist das Land weder positiv noch negativ in der Vergangenheit verwurzelt, was sich in der Tatsache manifestiert, dass selbst die patriotische spanische Rechte, als unmittelbare Erbin Francos, das Wort »Vaterland« als identitären Katalysator preisgegeben hat und stattdessen den marktliberalen Begriff der »Marke Spanien« verwendet. Hier zeigt sich die Logik der Krämer, durch die der Signifikant »Patriotismus« der Linken zur Aneignung überlassen worden ist – was sich Podemos viele Jahre später denn auch zunutze gemacht hat.

Die Wahrheit ist, dass Spanien, während die Krise das Land wie eine Naturgewalt erschütterte und das in der sogenannten demokratischen Transition entstandene Zweiparteiensystem rasant an Zustimmung verlor, bereits ein Land ohne Erinnerung, Traditionen und Fahne darstellte. Man könnte davon sprechen, dass es von repressivem Konsens und »Massenhedonismus« (um Pier Paolo Pasolinis Begriff zu verwenden) »neuformatiert« worden war. Ein Land ohne Geschichte ist dem Schicksal überlassen, launisch und postfaktisch. In ihm kann alles geschehen. In Spanien, Opfer seiner eigenen Nationalgeschichte, kam es zum unerwartetsten oder zumindest zu jenem Ereignis, das der allgemeinen Entwicklung in Europa am deutlichsten widersprach: Hier entstand im Kielwasser des Arabischen Frühlings die 15-M-Bewegung, eine Welle von Platzbesetzungen, die im Mai 2011 das »Regime von 1978« mit all seinen politischen Parteien sowohl der Rechten als auch der Linken symbolisch stürzte und mindestens die Hälfte der Spanier resistent machte gegen den ökonomischen Rechtspopulismus und kulturellen Neofaschismus, indem sie die Verantwortlichen der Krise benannte: Nicht die Einwanderer, sondern die Banken waren schuld. Nicht die Wirtschaftszyklen oder die verschwenderische Lebensweise der Arbeiter, sondern die Politiker und ihre unsozialen Programme. Hunderttausende Jugendliche, die keine Erinnerung an den Bürgerkrieg und an die Tricksereien der transición besaßen, die weder die Legitimität der Monarchie infrage stellten noch irgendeine Beziehung zu linkem Aktivismus besaßen, waren wochenlang auf den Straßen des Landes, sprachen dem Regime von 1978 jede Legitimität ab – »sie repräsentieren uns nicht« (»no nos representan«), lautete das zentrale Motto der Proteste – und forderten »Demokratie« ein.14

Umfragen zufolge identifizierten sich bis zu 85 Prozent der Spanier mit den Forderungen des 15-M – oder bekundeten ihre Sympathie mit diesen –, was schließlich auch den fulminanten Erfolg der neugegründeten Bewegung Podemos bei den Europawahlen 2014 erklärte. Podemos war überstürzt gegründet worden, um die Repräsentationskrise auszunutzen und sich (mit einem linken Programm, aber keinen anderen Positionen als denen des gesunden Menschenverstands und des gesellschaftsübergreifenden Widerstands gegen die mörderische Austeritätspolitik) als Alternative zu PP und PSOE, den beiden sich seit 1982 an der Macht abwechselnden Parteien, zu profilieren. Nach einem schwindelerregenden Wahlmarathon (den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai 2015 und den beiden spanienweiten Wahlen im Dezember 2015 und Juni 2016) verfügen Podemos sowie nahestehende Bewegungen eine beispiellose Präsenz in den Institutionen, die allerdings nicht ausreicht, um die Regierung zu stellen, eine Alternative des Südens gegen Frankreich und Deutschland zu etablieren und die EU zu einem Politikwechsel zugunsten der Krisenopfer zu bewegen (oder genauer gesagt, zu einer Abkehr der EU von ihrer destruktiv-ideologischen Haltung).

Spanien stellt nach wie vor eine »fragile Ausnahme« im Rahmen jener Entdemokratisierung dar, die sich der europäischen Gesellschaften bemächtigt hat. Es handelt sich um eine »Ausnahme«, weil die erinnerungslose Hälfte des Landes die Politik entlang der »Demokratiefrage« – und nicht des alten Arbeiterkults oder der Fremdenfeindlichkeit – für sich neu entdeckt hat. Diese Entwicklung ist jedoch »fragil«, weil diese Hälfte nicht nur der anderen Hälfte der Bevölkerung gegenübersteht, die sich an der kalkulierten Erinnerung festklammert, die das »Regime von 1978« in Stein gemeißelt hat, sondern weil sie auch das allgemeine Klima in Europa und der ganzen Welt gegen sich hat. Und sie ist fragil, weil eine – selbstverschuldete oder von außen zugefügte – Niederlage der Kräfte des politischen Wandels zu einem neuerlichen »Erinnerungsverlust« führen würde, zu einer allgemeinen Frustration, die der »rechtspopulistischen Revolution« und ihren autoritären Alternativen das Terrain bereiten würde.

 

Schlussfolgerung

Wir kehren also zu den innerimperialistischen Kriegen von 1914 und dem Autoritarismus der dreißiger Jahre zurück – allerdings mit Nuklearwaffen, Marktlogik, sozialen Netzwerken, Klimawandel und etabliertem Terrorismus und ohne organisierte Linke und Systemalternative. Das Bewusstsein einer großen Regression oder eines drohenden Zusammenbruchs – das Gefühl, dass der Kapitalismus keine Ordnung mehr aufrechterhalten kann, nicht einmal mehr eine schlechte, und dass es außerhalb von ihm nichts zu erwarten gibt als Katastrophen und mafiösen Feudalismus – begünstigt die autoritären Projekte, die allerorten erstarken. Die ultraliberale Freiheit tritt zugunsten einer protektionistischen Sicherheitsdespotie zurück. Die – politische und ökonomische – Demokratie, die historisch immer noch die Ausnahme darstellt, ohne die jedoch keine Rettung der Zivilisation möglich ist, wird erneut besiegt. Die Folgen sind kaum vorherzusagen, ohne dass man erschrickt.

Aus dem Spanischen von Raul Zelik

 

1 In jenem Jahr erschien die Originalausgabe der Phänomenologie des Geistes.

2 Vgl. »Der gern geglaubten Behauptung eines geraden Fortschritts der Menschheit gegenüber hat doch […] eine vorsichtigere Ueberlegung sich längst zu der Entdeckung genöthigt gesehen, die Geschichte winde sich in Spirallinien fort; Epicycloiden zogen andere vor; kurz, es fehlte nie an tiefsinnigen Umhüllungen des Geständnisses, daß der Gesammteindruck der Geschichte kein ungemischt erhebender, sondern überwiegend ein wehmütiger ist. Immer wird eine vorutheilslos Betrachtung zuerst klagend darüber erstaunen, wie viele Güter der Bildung und eigenthümlicher Lebensschönheit […] zu Grunde gegangen sind, um so nie wiederzukehren« (Hermann Lotze, Mikrokosmos. Ideen zur Naturgeschichte und Geschichte der Menschheit, Bd. 3, Leipzig: 1864, S. 21; zitiert nach: Walter Benjamin, Das Passagen-Werk, Bd. 1, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1983, S. 599).

3 Siehe seinen berühmten Essay »Über den Begriff der Geschichte« von 1940 (in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. I.2: Abhandlungen, herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1991, S. 691-704). In »Zentralpark«, einer in 1938 bis 1939 im Zuge seiner Baudelaire-Studien entstandenen Fragmentsammlung, notierte Benjamin unter anderem: »Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es ›so weiter‹ geht, ist die Katastrophe« (Charles Baudelaire. Ein Lyriker im Zeitalter des Hochkapitalismus, in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. I.2, S. 683).

4 In der 2014 neu herausgegebenen Initiation à la philosophie pour les non-philosophes unterstrich Althusser, die materialistische Philosophie zeichne sich durch die Feststellung aus, dass »es eine beträchtliche Anzahl an Dingen gibt, die sinnlos sind und zu nichts dienen […], [dass] es Verluste gibt (für die man niemals entschädigt wird), unwiderrufliche Niederlagen, zweck- und folgenlose Ereignisse, Unternehmungen und sogar ganze Zivilisationen, die zerfallen und spurlos im Nichts der Geschichte verschwinden wie Flüsse, die im Sand der Wüste versickern« (Louis Althusser, Initiation à la philosophie pour les non-philosophes, Paris: Presses Universitaires de France 2014, S. 76).

5 Henri-Charles Puech, En quête de la gnose, Paris: Gallimard 1978.

6 Siehe den Themenschwerpunkt »Le nouveau désordre mondial« in der August/September-Ausgabe von 2014, teilweise online zugänglich unter: www.esprit.presse.fr/archive/review/detail.php?code=2014_08/09 (Stand April 2017).

7 Vgl. u. a. Gilbert Achcar, Le peuple veut, Paris: Sindbad 2013.

8 Eric Hobsbawm, Das imperiale Zeitalter, Frankfurt am Main/New York: Campus 1989.

9 Danilo Zolo, La giustizia dei vincitori. Da Norimberga a Baghdad, Bari/Rom: Laterza 2006.

10 Bernard Stiegler, De la misère symbolique, Paris: Flammarion 2004.

11 César Rendueles, Soziophobie. Politischer Wandel im Zeitalter der digitalen Utopie, Berlin: Suhrkamp 2015.

12 Massimo Recalcati, L’uomo senza insconscio, Mailand: Raffaello Cortina Editore 2010.

13 Jean-Claude Michéa, Les mystères de la gauche, de l’idéal des lumières au triomphe du capitalisme absolu, Paris: Flammarion 2013.

14 Vgl. dazu die Bibliographie zur 15-M-Bewegung, die online verfügbar ist unter: www.letra.org/spip/spip.php?article4904 (Stand: April 2017).

 

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