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»Liebe Linke, und was kommt jetzt?« Die Presseschau vom 21. April 2017

Was für eine Woche: Die Türken haben – auch mit breiter Unterstützung ihrer in Deutschland lebenden Landsleute – mit knapper Mehrheit für Erdoğans Präsidialsystem gestimmt. Theresa May kündigt in Großbritannien vorgezogene Neuwahlen mit Blick auf den Brexit an. Frauke Petry verzichtet darauf, bei der Bundestagswahl Spitzenkandidatin der AfD zu sein und in Frankreich stehen die Präsidentschaftswahlen unmittelbar bevor.

Frankreich wählt

Zeitlich schon etwas zurückliegend, aus gegebenem Anlass dennoch lesenswert: Am 16. März 2017 kamen in der Hertie School of Governance der Philosoph Jürgen Habermas, der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel und der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron zu einer Diskussion zusammen.

Die Stille ins Zentrum des politischen Widerstandes stellen: Der Schriftsteller Édouard Louis plädiert im Interview mit der Süddeutschen Zeitung dafür, sich von Rechtspopulisten nicht die Inhalte vorgeben zu lassen und bestimmte Diskussionen zu verweigern. Trotzdem: Seine Eltern wählen den Front National – und er kann sie verstehen.

Ob Le Pen oder Mélenchon – die Börse sorgt sich sowohl vor einem Sieg der Rechts- als auch der Linkspopulisten. Warum das volkswirtschaftliche Schwergewicht Frankreich auch für deutsche Anlegerinnen so wichtig ist, erläutert das Handelsblatt.

Und was sagen die Denker? In der taz findet der französische Intellektuelle Geoffroy de Lagasnerie klare Worte für den Wahlkampf: »Marine Le Pen wird die Wahl nicht gewinnen. Das alles ist eine pure Mystifikation, die benutzt wird, um uns daran zu hindern, eine innovative linke Alternative auszuarbeiten.« Stellungnahmen der belgischen Philosophin Chantal Mouffe, Inspiratorin des Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon, und des französischen Philosophen Alain Badiou hat Le Monde veröffentlicht (kostenpflichtige Beiträge).

 

Das Buch und die Autoren in der Presse

Zeiten der Desorientierung? Erinnerungen an die 1930er-Jahre? Bruno Latour und Paul Mason diskutieren in La Croix über Die große Regression.

Wahlen sind die Grundlagen unserer Demokratie. Oder doch nicht? Der belgische Historiker David Van Reybrouck, Mitautor von Die große Regression, plädiert im Interview mit der Wiener Zeitung für Losverfahren als Ergänzung zu Wahlen. Einer der Gründe für Demokratiemüdigkeit sei das fehlende Vertrauen der Bürgerinnen in die politischen Parteien.

»Liebe Linke, und was kommt jetzt?«, fragt Autor Paul Mason im SPIEGEL (kostenpflichtiger Artikel) und plädiert in seinem Essay für nichts Geringeres als einen neuen Weltentwurf.

Herausgeber Heinrich Geiselberger beschreibt im Interview mit dem französischsprachigen Schweizer Radiosender RTS die Notwendigkeit einer Reflexion über das Thema der großen Regression und erklärt, warum das Wort nichts mit infantilem Verhalten zu tun hat, sondern mit der Beobachtung, dass wir in vielen Bereichen hinter hart erkämpfte Standards zurückzufallen scheinen.

Übrigens: Das Projekt diegrosseregression.de wurde von Achim Engelberg auf piqd.de empfohlen.

 

Kurz & aktuell

Um die Ecke gedacht: Nora Heer, Unternehmerin und BILANZ-Kolumnistin, beschreibt in ihrer Kolumne »Was man von Trump als Chef lernen kann – und was lieber nicht«. Ihr Fazit: Emotionen ja, Horrorszenarien nein.

Trump, Orbán, Erdoğan – wie weit die Macht der sogenannten starken Männer reicht, hängt von den Kontrollsystemen in Demokratien ab. Ein knackiger Kommentar von Alexandra Föderl-Schmid auf derStandart.at.

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