© Windham-Campell Prize

Politik im Zeitalter des Zorns. Das dunkle Erbe der Aufklärung

» Wähler, die den Ansichten pseudorationaler Meinungsforscher und Datenanalytiker in aller Welt trotzen, ähneln inzwischen Dostojewskis Mann aus dem Kellerloch, dem Urbild des Verlierers, der davon träumt, sich an den Gewinnern seiner Gesellschaft zu rächen. «
Pankaj Mishra

Der nach dem Ende des Kalten Kriegs entstandene Konsens liegt in Trümmern. Nach dem umfangreichsten Experiment in aufgeklärtem Eigennutz, der Maximierung des Glücks und der Schaffung freier Märkte sind Fanatiker und Glaubenseiferer im Herzen des modernen Westens heute stärker als jemals zuvor. Thomas Piketty mag richtigliegen mit seiner Behauptung, Trumps Sieg habe seine Ursache »hauptsächlich in der ökonomischen und geografischen Ungleichheit in den Vereinigten Staaten«. Aber auch viele begüterte Männer und Frauen, von Afroamerikanern und Hispanics ganz zu schweigen, stimmten für einen zwanghaften Grapscher; und die wohlhabenden Schichten Indiens, der Türkei, Polens und der Philippinen halten treu zu ihren immer sprunghafteren Demagogen. Die neuen Repräsentanten der Abgehängten und Geknechteten – Trump und Nigel Farage in einem vergoldeten Aufzug, der Gründer des Islamischen Staats mit einer Rolex am Handgelenk und Narendra Modi in einem Maßanzug von der Londoner Savile Row– veranstalten absurdes politisches Theater in höchster Vollendung.

Gary Younge hat recht mit seiner Warnung, der »Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Ängsten und rechtsgerichtetem Nationalismus« werde möglicherweise übertrieben. Mike Davis’ These zu nihilistischen Leidenschaften – dass manche Leute »um jeden Preis Veränderungen in Washington wollten, selbst wenn man dazu einen Selbstmordattentäter ins Oval Office setzen« müsse – findet ihr Echo bei Barack Obama, der meint, Trump habe überzeugend dargelegt, »dass er diesen Ort in die Luft jagen werde«. Wähler, die den Ansichten pseudorationaler Meinungsforscher und Datenanalytiker in aller Welt trotzen, ähneln inzwischen Dostojewskis Mann aus dem Kellerloch, dem Urbild des Verlierers, der davon träumt, sich an den Gewinnern seiner Gesellschaft zu rächen.

Den kompletten Beitrag von Pankaj Mishra finden Sie im Buch Die große Regression,
S. 175 – 195.

Newsletter

Wir blicken nach vorne: auf das Thema #greatregression, die Autorinnen und Autoren sowie Veranstaltungen in der kommenden Woche. Und wir blicken zurück: auf das, worüber in den vergangenen Tagen auf dieser Webseite und in den sozialen Medien geschrieben wurde. Zusätzlich bieten wir Ihnen in einem Pressespiegel einen Überblick über die in den internationalen Medien geführte Debatte. Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter, wenn Sie wissen wollen, was rund um Die große Regression geschieht.

Dieser Newsletter ist kostenfrei und kann jederzeit wieder abbestellt werden.