© Juergen Bauer

Die Wiederkehr der Verdrängten als Anfang vom Ende des neoliberalen Kapitalismus

» Der Weg in die Zukunft, in eine neue Expansion, wie sie jedem Kapital Herzensanliegen ist, führte nach draußen: in die noch erfreulich unregierte Welt einer grenzenlosen globalen Ökonomie, in der Märkte nicht mehr in Staaten, sondern Staaten in Märkte eingeschlossen sind. «
Wolfgang Streeck

Der Neoliberalismus kam mit der Globalisierung, oder die Globalisierung mit dem Neoliberalismus; so begann die große Regression. In den siebziger Jahren ging das Kapital der wiederaufgebauten Industriegesellschaften daran, sich aus der nationalen Nutztierhaltung herauszuarbeiten, in der es die Jahrzehnte nach 1945 hatte verbringen müssen. Die Zeit war gekommen, von den leer gefegten Arbeitsmärkten, der stagnierenden Produktivität, den sinkenden Profiten und den immer anspruchsvoller werdenden Gewerkschaften des reif gewordenen, staatlich verwalteten Kapitalismus Abschied zu nehmen. Der Weg in die Zukunft, in eine neue Expansion, wie sie jedem Kapital Herzensanliegen ist, führte nach draußen: in die noch erfreulich unregierte Welt einer grenzenlosen globalen Ökonomie, in der Märkte nicht mehr in Staaten, sondern Staaten in Märkte eingeschlossen sind.

Die neoliberale Wende stand im Zeichen einer neuen Göttin namens TINA – there is no alternative. Die lange Reihe ihrer Priesterinnen und Priester reicht von Margaret Thatcher über Tony Blair bis Angela Merkel. Wer TINA dienen wollte, unter feierlichen Gesängen der vereinigten Ökonomen aller Länder, musste den Ausbruch des Kapitals in die Welt als ebenso naturgesetzliche wie gemeinnützige Notwendigkeit anerkennen und tatkräftig mithelfen, alle ihm entgegenstehenden Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Heidnische Praktiken wie Kapitalverkehrskontrollen, Staatshilfen und dergleichen waren aufzuspüren und auszumerzen; niemand sollte sich mehr dem »globalen Wettbewerb« entziehen und sich in wie immer geartete nationale Hängematten legen können. Freihandelsabkommen sollten Märkte öffnen und sie vor staatlicher Einmischung schützen; an die Stelle nationaler Regierungen sollte »global governance« treten, Schutz vor Kommodifizierung war abzulösen durch Befähigung zur Kommodifizierung, und der Sozialstaat sollte dem Wettbewerbsstaat einer neuen Ära kapitalistischer Rationalisierung weichen.

Den kompletten Beitrag von Wolfgang Streeck finden Sie im Buch Die große Regression,
S. 253 – 273.

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