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»Demokratie ist kein Zuschauersport« Die Presseschau vom 2. Juni 2017

Lesenswertes und Sehenswertes

Unsere Revolution – Wir brauchen eine gerechte Gesellschaft lautet der Titel von Bernie Sanders’ neuem Buch, der zugleich auch Kern seiner politischen Forderung ist. Am vergangenen Mittwoch sprach Sanders an der Freien Universität Berlin. Zeit Online, Mitveranstalter des Events, berichtet. Bestimmendes Thema des Auftritts: Trump. Die Botschaft, die Sanders seinem Publikum auf den Weg gab, lautete: »Demokratie, das ist kein Zuschauersport – Demokratie, das seid ihr«. Darüber spricht Sanders auch im Interview mit der SZ.

Die »atheistische Hauptstadt Europas« nennt sie der Guardian: Berlin. Rund zwei Drittel der Stadtbewohner gehören keiner Konfession an. Der Kirchentag gastierte in der vergangenen Woche trotzdem – oder gerade deswegen? – genau dort. taz.de fragt nach den Gründen für die Berliner Religionsferne.

 

Populismus: Vor- und Nachspiel

Rund die Hälfte der Ostdeutschen ist politikverdrossen und unzufrieden mit der gegenwärtigen demokratischen Staatsform. Das ist das Ergebnis einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Demokratie in Deutschland. Diese Unzufriedenheit sei jedoch nicht auf den Wohn-, sondern vielmehr auf den Geburtsort zurückzuführen: »Es ist nicht der Osten, der unzufrieden macht. Es sind die Menschen aus dem Osten, die unzufrieden sind.« Dort, »wo die Demokratie fragiler ist als anderswo«, sei von einem Rückzug des Staates zu sprechen, so Zeit Online. Statt wie geplant Kosten einzusparen, habe man durch die Zusammenlegung von Polizeibezirken, Landkreisen, Gerichtsbezirken, Ämtern und Krankenhäusern nur eines bewirkt: die Beförderung des Populismus.

»Was, wenn Populisten an die Macht kommen?« fragt Dunja Hayali im ZDF. Zur Beantwortung der Frage nimmt sie diejenigen Länder in den Fokus, in denen der Populismus auf dem Vormarsch ist, große Erfolge verbucht oder weiterhin nachwirkt. Von Frankreich und Griechenland, über die Vereinigten Staaten, bis Ungarn und Venezuela spricht Hayali mit Anhängern und Gegnern populistischer Politiker, mit Vertretern entgegengesetzter politischer Lager und Wissenschaftlern.

 

Europa vs. Nationalstaaten?

Mehr Zusammenhalt in Europa! Das war die Forderung von Kanzlerin Angela Merkel, die nach dem G7-Gipfel international für Furore sorgte. Einen Überblick zu den Reaktionen gibt die SZ.

Doch Europa schwankt. Einen Weg aus der Krise bietet Ulrike Guérot in ihrem Buch Der neue Bürgerkrieg an. Unter der Überschrift »Schafft den Nationalstaat ab!« kommentiert Ingo Arend in Deutschlandfunk Kultur ihr Werk: »Für Guérot haben die Gründerväter das Pferd Europa vom ökonomischen Schwanz statt vom politischen Kopf her aufgezäumt«. Einen Einwand gegen Guérots Position formuliert Michael Bröning unter dem Titel »Europa muss an nationalen Identitäten festhalten«. Brönings harsche Kritik beantwortet die Politologin mit »Die Nation ist nicht mehr das Gefäß für die Demokratie«

 

Das Buch und die Autoren in der Presse

»Das derzeitige Wahlsystem ist nicht gemacht für eine radikal linke Partei«, sagt Paul Mason im Interview mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Dort spricht er über den Brexit, die anstehenden Wahlen in Großbritannien und die derzeitige Zusammensetzung der Labour Party.

Mut, um »zuzugeben, dass das Licht am Ende des Tunnels höchstwahrscheinlich die Scheinwerfer eines anderen Zuges sind, der uns entgegenkommt«: das fordert Slavoj Žižek in seinem Vortrag bei den Wiener Festwochen. Ein Bericht von Anja Malenšek gibt es in derstandard.at.

Lenin und Trump, gibt es da Verbindungen? In seinem Beitrag für The New York Times geht Ivan Krastev auf die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen der Russischen Revolution und den aktuellen Skandalen rund um die letzten Wahlen in den Vereinigten Staaten. Seine Empfehlung: die US-Demokraten sollten von 1917 einige Lektionen lernen. Im Interview mit dem Radiosender France Culture spricht Krastev über seinen Essay aus Die große Regression.

Pankaj Mishra erklärt in seiner Kolumne bei Bloomberg View, was an Modis veraltetem Bild von Indien falsch sei.

Eine Rezension über Die große Regression gibt es auf AgoraVox.fr. Dort spricht Bernard Dugué darüber, wie wichtig das Buch sei, um die Beschaffenheiten der neuen Welt zu begreifen, mit denen wir seit einigen Jahren – wenn nicht Jahrzehnten – konfrontiert seien.

Auch in der spanischsprachigen Presse findet sich breite Resonanz zu unserem Sammelband. Das Buch sei eine gute Werkzeugkiste, so Manuel Rivas für El País. CTXT veröffentlichte Ivan Krastevs Essay »Auf dem Weg in die Mehrheitsdiktatur?«. In elnacional.cat kommentiert Daniel Gonzáles Arjun Appadurais Essay »Demokratiemüdigkeit« und bedient sich Appadurais Reflexionen, um den Konflikt zwischen Spanien und Katalonien nachzuvollziehen.

 

Kurz & aktuell

»In was für einem Land wollen wir leben?« Rund um diese Frage dreht sich die Inszenierung von Robert Misiks »Agora« zu den Wiener Festwochen (12. Mai – 18. Juni). Ganz im Sinne des griechischen Vorbilds sollen nicht nur Schauspieler und Experten, sondern vor allem auch das Publikum zu Wort kommen.

In Leipzig laden Mephisto 97.6 und CORRECTIV am 2. Juni zum Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion. Thema ist das Vertrauen –  oder besser: Misstrauen – in die Medien. Diskutiert werden sollen sowohl die Ursachen für dieses Misstrauen als auch Möglichkeiten lokaler und regionaler Medien, das Vertrauen zurückzugewinnen.

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